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Ein Pseudo-Politikum im ­Duvenstedter Sommerloch? - Ausgabe 15.08.2018

Freibad am Puckaffer Weg sieht sich Diskussion um Vorgaben zur Badekleidung ausgesetzt

Von Oliver Spatz

Duvenstedt – Mitten in einem Sommer, der seinem Namen alle Ehre macht, steht das dieser Tage viel besuchte Freibad Duvenstedt plötzlich auf unerwartete Weise im ­Fokus. Genauer gesagt ein Schild am Eingang. „Baden nur in mitteleuropäisch üb­licher Badekleidung erlaubt“ ist dort zu lesen.

Für Heimat-Echo-Leser Jürgen Krenz, der in Lemsahl aufgewachsen ist und im beliebten Naturbad nahe dem Duven­stedter Kreisel einst schwimmen gelernt hat, ein Grund, sich an die Redaktion zu ­wenden. Ihn befremdet das Hinweisschild. Seiner Ansicht nach werden damit Frauen, die in Ganzkörperbadeanzügen, etwa sogenannten Burkinis, baden möchten, deutlich ausgegrenzt.
Zur Einordnung: Das Wort Burkini setzt sich zusammen aus Burka und Bikini. Es meint eine zweiteilige Badebekleidung für muslimische Frauen, die bis auf Gesicht, Hände und Füße den gesamten Körper bedeckt.
Krenz sagt, ein Freibad-Mit­arbeiter habe ihm bestätigt, dass man Burkiniträgerinnen mit dem Schild vom Bade­betrieb ausschließen wolle, da sich eine Gruppe schlecht benommen hätte. „Ich frage mich, ob deshalb eine ganze Bevölkerungsgruppe diskriminiert werden muss. Auch wird damit einer möglichen Integration geflüchteter Menschen deutlich entgegengewirkt“, so das klare Urteil des Lesers.

Betreiber wehrt sich

Die Heimat-Echo-Redaktion fragte nach bei Claus Ludat. Der Vorsitzende des Trägervereins des Freibads Duvenstedt widerspricht der Darstellung, dass der Leser mit Verantwortlichen gesprochen habe. Auch in der Sache bezieht Ludat ­Position: Anders als behauptet schließe die kritisierte Formulierung Burkinis keinesfalls aus, sondern ein. Da in Mitteleuropa heute nun einmal auch viele Muslime lebten, handele es sich um mittlerweile normale Badebekleidung in hiesigen Breiten. „Wir haben regelmäßig weibliche Gäste hier, die einen Burkini tragen, darunter auch Vereinsmitglieder“, so Ludat, der die Aufregung nicht versteht. Das Schild steht nach seinen Angaben schon seit 2015 Jahren dort, bisher habe sich niemand daran gestört.
Ausgeschlossen werden solle zum Beispiel vielmehr, dass jemand in weite Gewänder gehüllt ins Wasser steigt. Das sei schon vorgekommen und habe Probleme verursacht, von denen Beschwerden anderer Badegäste nur eines seien, begründet Ludat gegenüber der Redaktion das Aufstellen des Schilds. Trage ein Besucher eine Burka oder ein ähnlich stoffreiches Gewand, verletze das nicht nur Hygieneregeln, sondern erhöhe auch die Unfallgefahr massiv. Die Kleidung könne sich je nach Materialart mit Wasser vollsaugen, sodass der Träger nicht mehr imstande sei aufzutauchen. Auch der Bademeister könne sich beim Rettungsversuch verheddern. Solche Risiken wolle und dürfe man nicht eingehen.

Ein bisweilen schmaler Grat

Laut Ludat geht es aber auch darum, andere Straßenkleidung zu verhindern, damit nicht etwa Kinder in T-Shirt und Jeans ins Wasser springen, wie schon geschehen. Ebenso richte sich die Regelung gegen unangemessen knappe Badebekleidung, Baden „oben ohne“ oder gar völlig textilfreien ­Badbesuch, zieht der Freibad-Chef klare Grenzen.
Den Vorwurf der Diskriminierung weist Ludat deutlich zurück. Auch Angehörige des rund 1.000 Mitglieder zählenden Vereins nähmen wie selbstverständlich im Burkini am Badebetrieb teil, ohne sich an der Vorschrift zu stoßen. Im Gegenteil: „Unsere muslimischen Mitglieder treten am vehementesten dafür ein, dass sich Badegäste deutschen Standards anpassen. ­Einige wollten Burkinis gar nicht erlauben. Da musste ich noch für mehr Toleranz werben“, so Ludat.
Hamburgs städtische Bade­anstalten gestatten übrigens laut geltender Badeordnung den „Aufenthalt im Nassbereich der Bäder nur in Badekleidung“. Das schließe Bur­kinis mit ein, wie Bäderland-Pressesprecher Michael Dietel gegenüber der Heimat-Echo-Redaktion bestätigte.
Sicher lässt sich darüber streiten, ob man im Duvenstedter Freibad die Formulierung auf dem Schild seinerzeit unmissverständlicher hätte treffen können. Andererseits sind in den drei Jahren seit dem Aufstellen bis jetzt keinerlei Deutungsprobleme bekannt geworden. Und im Zweifel sollte eine sachliche, unvoreingenommene Frage helfen, was erlaubt ist und was nicht.


fdjs