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Hamburgs Nordosten wächst weiter - Ausgabe 15.08.2018

Mehr Einwohner und Autos, konstante Unfallzahlen: Zur Verkehrsentwicklung in Alstertal und Walddörfern liegen aktuelle Daten vor

Von Oliver Spatz

Alstertal/Walddörfer – Seit Jahren wird Hamburgs Nordosten baulich stark nach­verdichtet. Wie haben sich die Einwohnerzahlen und analog dazu die Verkehrsströme aus dem Alstertal und den Walddörfern in Richtung Innenstadt und umgekehrt entwickelt?

Aus einer aktuellen Schrift­lichen Kleinen Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Thering geht hervor, dass die Bevölkerung im Wahlkreis Alstertal/Walddörfer stark zugenommen hat. Das ist für sich genommen wenig überraschend, aber die Zahlen sind durchaus interessant: ­Lebten 1988 noch rund 105.000 Menschen in dem ­Gebiet zwischen Bergstedt und Wellingsbüttel, sind es heute rund 125.000 – ein Plus von fast 19 Prozent. Prozentual am stärksten wuchs im Laufe dieser drei Jahrzehnte Duven­stedt: von rund 3.400 auf 6.200 Einwohner.

Fortschreitende
Motorisierung

Auch die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge hat einen neuen Höchststand erreicht. Zählt man privat und gewerblich genutzte Kfz zusammen, waren Anfang 2018 rund 64.000 Kfz angemeldet. Die Zahl der gewerblichen Fahrzeuge – aktuell rund 5.300 – hat sich im Vergleich zu 2011 besonders stark erhöht.
Auf konstantem Niveau verharrt mit etwa 2.700 pro Jahr die Zahl der Verkehrsunfälle. Dabei verunglücken jedes Jahr um die 400 Personen im Straßenverkehr; die weitaus meisten tragen nur leichte Verletzungen davon.
Die Antwort des Senats auf Therings Anfrage gibt zudem Aufschluss über sogenannte Unfallhäufungsstellen, auf die das zuständige Polizeikommissariat 35 in Poppenbüttel besonderes Augenmerk legt. Solche Unfallschwerpunkte, an denen es über einen Zeitraum von drei Jahren mit Blick auf Unfallzahl, -ursachen und -folgen Auffälligkeiten gab, befinden sich beispielsweise in Poppenbüttel an der Harksheider Straße/Ecke Moorhof, an der Kreuzung Volkdorfer Damm/Volksdorfer Grenzweg in Bergstedt oder auch an mehreren Stellen rund um Saseler Chaussee, Saseler Damm und Stadtbahnstraße. Im letzten Fall etwa sind die Unfallzahlen nach dem Umbau 2016 deutlich zurückgegangen, der Bereich bleibt aber zunächst unter Beobachtung, ob auch langfristig von einer Entschärfung gesprochen werden kann. Wer mehr zu besonders brenzligen Stellen wissen möchte, findet unter www.gnm.li/unfall Details, auch zur Verkehrsentwicklung in einzelnen Stadtteilen.

CDU fordert Rot-Grün zu verstärktem Handeln auf

Für Dennis Thering zeigt die weitere Zunahme bei den Kfz-Zahlen, dass das Auto im Alstertal und den Walddörfern weiterhin einen sehr hohen Stellenwert hat: „Leider gibt es aber auch bei uns vor Ort 34 Unfallschwerpunkte, an denen es immer wieder zu teils gefährlichen Unfällen kommt. SPD und Grüne müssen auf diese Entwicklung reagieren und dürfen die verkehrliche Situation nicht noch immer weiter verschärfen.“ Täglich komme es zu langen Staus. Hier müsse der Senat mit baulichen Maßnahmen, intelligenten Verkehrsleitsystemen und einer guten Baustellenkoordinierung gegensteuern, statt den Verkehrsraum durch die Verlegung von Fahrradwegen auf Hauptverkehrsstraßen weiter zu verengen.
Ebenso müssten die vorhandenen Geh- und Radwege saniert und ausgebaut sowie der Bus- und Bahnbetrieb deutlich attraktiver gemacht werden: „Gerade auch die Busverbindungen nach Lemsahl-Melling­stedt und Duvenstedt sind deutlich zu unflexibel und müssen optimiert werden. Darüber hinaus müssen neue Gebiete mit Buslinien erschlossen werden“, so Thering, der zugleich verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. Er verweist darauf, dass sich die CDU seit Jahren für eine Attraktivitätssteigerung der Busse und Bahnen einsetze, durch geringere Taktfrequenzen und einen durchgehenden Bus- und Bahnbetrieb auch unter der Woche. „Hier müssen SPD und Grüne endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben und für mehr Attraktivität bei den Bussen und Bahnen sorgen, damit möglichst viele Menschen vom Auto auf ­Bus und Bahn umsteigen. Dazu ­gehört dann auch, die mobilitätsfeindlichen Park-and-ride-­Gebühren umgehend wieder abzuschaffen und das Fahrradleihsystem StadtRAD Hamburg auch bei uns im Alstertal und den Walddörfern zu realisieren“, fordert der CDU-Politiker.
Was das rote Leihradsystem angeht, so befindet sich dessen Ausweitung über das gesamte Stadtgebiet aktuell in Planung, nachdem Anfang des Jahres Bürger Vorschläge zu geeigneten Standorten machen konnten. Vermutlich Ende 2018 soll Näheres feststehen.