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Jugendlicher Räuber gefasst

23. Oktober 2020

Opfer hatten nach „Abziehdelikten“ Anzeige erstattet – mit Erfolg

POPPENBÜTTEL / VOLKSDORF Seit Anfang Oktober hatte die Polizei nach mehreren jugendlichen Tätern gefahndet, die Gleichaltrige ausgeraubt haben sollen. Vornehmlich in der Nähe von Bahnhöfen in unserer Region hatten sich die Täter ihre Opfer ausgesucht.

Gleich an mehreren Tagen, am 4., 7. und 11. Oktober meldeten sich Jugendliche bei der Polizei und erstatteten Anzeige, nachdem sie ausgeraubt worden waren. Jetzt steht fest: „Beamte des Jugendschutzes Nord nahmen am Sonnabendnachmittag einen ersten Tatverdächtigen vorläufig fest“, sagt Polizeisprecherin Nina Kaluza Anfang dieser Woche. Auf Nachfrage des Heimat-Echo erklärt ihr Kollege Florian Abbenseth: „Die Ermittler gehen derzeit von einer Beteiligung an vier Taten aus. Ob er und weitere Mittäter darüber hinaus für weitere ähnlich gelagerte Taten verantwortlich sein könnten, ist noch Gegenstand der weiteren Ermittlungen.“ In Volksdorf wurden an der Claus-Ferck-Straße, der Farmsener Landstraße sowie Im Allhorn ebenso wie in Poppenbüttel am Schulbergredder von Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren Raubtaten angezeigt. Ob es weitere Opfer gibt, die sich bisher nicht gemeldet haben, ist unklar.
Der nun festgenommene Jugendliche ist erst 17 Jahre alt und wohnt bei seinen Eltern in Rahlstedt. Er konnte am U-Bahnhof Berne von Fahndern der Polizei aufgegriffen werden. Durch Bilder aus Überwachungskameras wurde er identifiziert. „Mangels Haftgründen wurde er inzwischen seinen Erziehungsberechtigten übergeben“, so Nina Kaluza. „Die elterliche Wohnung wurde durchsucht, Beweismittel sichergestellt“, so die Polizistin. Teilweise sollen weitere Täter bei den Raubzügen dabei gewesen sein. Um wen es sich dabei handelt, ist noch nicht klar: „Die Ermittlungen des Wandsbeker Raubdezernats dazu dauern weiterhin an“, so die Polizei.

Die Raubstraftaten, die unter Jugendlichen teilweise verharmlosend als „Abziehdelikte“ bezeichnet werden, sollen laut Polizei häufig mit harmlosen Fragen beginnen: „Oft mit einem Vorwand, indem beispielsweise nach Geld oder einer Zigarette gefragt wird“, so Florian Abbenseth. Der Rat der Polizei: „Auf solche Gespräche gar nicht erst einlassen!“ Zudem rät die Polizei Eltern auch, diese Masche mit dem Nachwuchs offensiv zu besprechen: „Grundsätzlich sollten Kinder lernen, ihre Umgebung aufmerksam wahrzunehmen und auf ihr Bauchgefühl zu hören.“ Von zu bedrohlich erscheinenden Situationen sollte so früh wie möglich Abstand gehalten werden. „Wer sich in einer konkreten Situation unwohl fühlt, sollte sich an sichere Orte begeben und dann konkret Mitmenschen ansprechen und um Unterstützung bitten“, rät der Polizeisprecher. Bedeutet: Straßenseite oder Bahn-Abteil wechseln, Kioske oder andere Geschäfte, Restaurants betreten: „Öffentlichkeit herstellen!“

Wenn das nicht (mehr) möglich ist, sollen Jugendliche nicht den Helden spielen und auf jeden Fall Eskalationen vermeiden. „Stattdessen sollten sie versuchen, sich möglichst viele Tätermerkmale wie Größe, Kleidung, Aussehen zu merken“, bittet die Polizei. Dann den Notruf 110 wählen, Anzeige erstatten.

Von Florian Büh

Last modified: 17. Dezember 2020

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