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Das ist Deutschlands größter Recyclinghof

23. Oktober 2020

In Sachen Mülltrennung und Grünabfall kommt Sasel bundesweit groß raus – bis zu 1400 Anlieferer pro Tag

SASEL Tonnenweise Heckengrün, säckeweise Laub und Rasenschnitt: Herbstzeit ist Gartenzeit. Wer im Frühjahr einen schönen Garten haben möchte, muss ihn jetzt ordentlich winterfest machen. Wer kann, schreddert den Kleinkram zu Hause und gibt ihn in die grüne Tonne, große Ladungen kommen auf den Recyclinghof. Wir haben uns auf der Anlage am Volksdorfer Weg 196 in Sasel mal umgesehen – er ist tatsächlich Deutschlands größter Recyclinghof.
Der Recyclinghof in Sasel übertrumpft selbst den in der Großstadt München. Mit 12.000 Quadratmetern Fläche hat Hamburgs kleiner Stadtteil den größten Recyclinghof in ganz Deutschland. Unter anderem werden Wertstoffe, Altpapier, Sperrmüll oder Elektrogeräte angenommen. Unzählige Container stehen für den Transport bereit, 14 freundliche Mitarbeiter geben bereitwillig Auskunft, was wo rein gehört. Für Grünabfälle steht ein eigener Bereich mit großen Schüttflächen zur Verfügung, an die man bequem ran fahren kann. Ein Kubikmeter Grünabfall ist kostenlos, für jeden weiteren zahlt man einen Euro, maximal sind drei Kubikmeter erlaubt. Pausenlos kommen und gehen hier die Anlieferer.

Recyclinghof Sasel, der größte von Deutschland, von oben
Deutschlands größter Recyclinghof von oben mit einer Drohne fotografiert Foto: Recyclinghof

9.300 Tonne Grünabfall pro Tag

„Ich hab heute nicht allzu viel dabei, weil ich mir vor zwei Jahren für meinen 500 Quadratmeter großen Garten einen Rasenroboter gekauft habe. Der mäht so oft, dass ich den Rasenschnitt und das gehäckselte Laub als Dünger liegen lasse“, erklärt Frank Rausch aus Volksdorf. Während er spricht braucht ein gelbes Monster Platz: Schaufellader-Fahrer Maik Ellermann verfrachtet riesige Ladungen Grünzeug in bereitstehende Container. Etwa 9.300 Tonnen kommen so pro Jahr alleine aus Sasel in das Biogas und Kompostierwerk Bützberg bei Wulksfelde. Jährlich summiert sich der Bioabfall dort aus den Hamburger Haushalten auf rund 50.000 Tonnen. Damit passiert dann Recycling pur: Stündlich entstehen etwa 350 Kubikmeter Biomethan, die nach einer Reinigung zurück in das Hamburger Gasversorgungsnetz geschleust werden. Aus den Resten lassen sich pro Jahr 14.000 Tonnen Qualitätskompost gewinnen, den man wiederum im Recyclinghof Sasel für 14,50 Euro/m³ kaufen kann. Wer weniger braucht: ein 30 Liter Sack kostet 3,50 Euro. Maik Ellermann macht Platz für Wolfgang und Silke L. aus den Walddörfern, die den Grünabfall der Kinder und der Nachbarn gleich mit aufgeladen haben. „Wenn man einen großen Anhänger hat, ist man für alle möglichen Transporte sehr gefragt“, weiß Wolfgang L. Oliver kommt gut viermal im Jahr auf den Recyclinghof, hat zwei Tage vorher eine riesige Tanne gefällt und zerlegt. Alleine? „Ich war bei der Freiwilligen Feuerwehr und weiß, wie man mit einer Säge auf der Leiter umgeht“, erzählt er nicht ganz ohne Stolz.

Laderfahrer Maik Ellermann räumt eine Ladung Grünabfall in den Container
Laderfahrer Maik Ellermann räumt eine Ladung Grünabfall in den Container Foto: M. Damm


Seit fünf Jahren ist Jens Junge der Chef auf dem Recyclinghof Sasel. Den Vorarbeiter (54) mit 26 Jahren Dienstzeit bei der Stadtreinigung bringt so schnell nichts aus der Ruhe, auch wenn an Spitzentagen bis zu 1.400 Fahrzeuge auf den Hof kommen. „An normalen Tagen sind es rund 800 Fahrzeuge, das haben wir gut im Griff. Werden es mehr, holen wir uns Unterstützung.“ Er findet es großartig, was alles abgegeben und meist auch recycelt werden kann. Dazu gehören auch Problemstoffe: „Hauptsache, der Müll landet bei uns und nicht irgendwo im Graben.“ Jens Junge mag seinen Job, er hilft und informiert mit seinem orangefarbenen Team, wo er kann. „Allerdings haben wir pro Tag auch rund 15 bis 20 Konflikte, die gelöst werden müssen.“ Warum, wird schnell klar, denn ob man als privater Hamburger Haushalt oder als Gewerbetreibender auf den Hof kommt, macht bei den Gebühren einen großen Unterschied: Ein Kubikmeter Grünabfall zum Beispiel ist für Privatleute kostenlos, beim Gewerbebetrieb werden 30,20 Euro fällig.

Jens Junge (Vorarbeiter), Melanie Paulsen und Holger Stutz vor der Problemstoff-Annahmestelle des Recyclinghofes in Sasel
Jens Junge (Vorarbeiter), Melanie Paulsen und Holger Stutz halten im Trubel die Stellung Foto: M. Damm
Sönke Kolbe bringt einen Hänger voll Tuja zum Recyclinghof Sasel
Sönke Kolbe hat den Schornstein seiner Mutter von einer hohen Tuja befreit Foto: M. Damm


Zurück zum Grünabfall: Auch Sönke Kolbe hat ordentlich geladen und rangiert seinen Anhänger heute als Letzter an die Abladestelle. „Das dauert immer ein bisschen, ich bin da nicht so geübt.“ Egal, hier auf dem Hof wird keine Fahrprüfung abgenommen. „Ich hab den Schornstein bei meiner Mutter von einer 5 Meter hohen Thuja befreit und die Hecke ausgelichtet“, sagt er und greift zur Forke, die er von seinem Opa geerbt hat. „Jetzt noch mal ordentlich reinhauen, dann ist Feierabend!“
Recyclinghof Sasel, Volksdorfer Weg 196, Öffnungszeiten: Mo.-Fr.: 8-17 Uhr, Sa. 8-14 Uhr. Am 24.10./ 7.12.2020 8-16 Uhr

Von Matthias Damm

Laub: Das müssen Sie wissen
• Für Laubsäcke gibt es pro Stadtteil fünf Abholtermine. Die Säcke bekommt man für 1 Euro bei Budni und auf den Recyclinghöfen. Pro Jahr werden in Hamburg ca. 450.000 Laubsäcke abgegeben.
• Private Haushalte müssen die Gehwege vor dem Grundstück von Laub freihalten, egal ob das Laub von einem „Stadtbaum“ oder „Privatbaum“ fällt.
• Verbrennen von Grünabfall ist in Hamburg seit 2017 verboten.
• Für Weihnachtsbäume bis 2,50 m gibt es pro Stadtteil zwei Abholtermine.
• Bitte auch an die Igel denken: ein Laubhaufen im Garten ist ein geschätztes Winterquartier.

Last modified: 23. Oktober 2020

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