Willkommen in den Walddörfern und im Alstertal

Topfgucker: Spargel, Pfifferlinge, Gans & Grünkohl

14. Oktober 2020

Gutbürgerliche vier Jahreszeiten im Landhaus-Ohlstedt

OHLSTEDT Hotel, Restaurant, Café steht draußen am großen roten Backsteinhaus mit den weißen Fenstern. Direkt am U-Bahnhof Ohlstedt liegt der Gasthof mit Hotel, am Ausgangspunkt der herrlichen Wanderwege in den Ohlstedter und Wohldorfer Wald oder weiter in den Duvenstedter Brook. Joscha Weggenmann hat sein Restaurant fast jeden Tag im Jahr geöffnet. Los geht es mit dem Frühstücksbüfett für jedermann von 8 bis11 Uhr, die warme Küche startet um 11.30 und schließt um 21 Uhr, zwischendurch gibt es hausgemachten Kuchen zum Kaffee.

Alles im Landhaus präsentiert sich picobello: weiße Tischtücher, frische Blumen, hell und freundlich lädt einen die gemütliche Stube rund um den großen Biertresen ein. Für Feiern in größeren Gruppen stehen der Wintergarten, die kleine Stube und der Festsaal zur Verfügung. Fehlt nur noch der Blick auf die Speisekarte – und da weiß man eigentlich gar nicht, was man nicht probieren soll. Traditionelle Gerichte wie Frischlingsfilet, knusprige halbe Ente, Karpfen blau oder Grünkohl finden sich da in der aktuellen Saisonkarte. Und natürlich das Highlight im Herbst und Winter: die ganze Gans, gute fünf Kilogramm für vier Personen, dazu Kartoffelklöße, Kroketten, Füllung, Soße, Bratapfel, Rosenkohl und Rotkohl. Alleine dafür kommen die Gäste von weit her. Es wird ausschließlich mit frischen Zutaten gekocht, verspricht der Chef, und es wird so zubereitet, wie man es auch bei sich zu Hause machen würde – wenn man es kann. Wer sich das nicht zutraut, oder wer sich einfach von der gutbürgerlichen Küche verwöhnen lassen will, der fühlt sich dann eben bei Joscha Weggenmann wie zu Hause. Es herrscht eine freundliche Atmosphäre, jeder Gast wird herzlich begrüßt, langjährige Stammgäste wie gute Freunde geduzt.

Das Landhaus Ohlstedt gibt es schon seit 1784 Foto: M. Damm

Vom Konditor zum Landhaus-Chef

Es ist eins dieser Gasthäuser in den Walddörfern, von denen man denkt: Das gibt’s doch schon ewig. Stimmt, denn gebaut wurde das Landhaus Ohlstedt bereits 1784. Ein Feuer zerstörte das Gebäude 1925 und mit dem Wiederaufbau 1927 kamen im Laufe der Jahre Anbauten wie der schmucke Wintergarten dazu. „Meine Eltern haben das Restaurant mit dem Hotel vor 33 Jahren zunächst gepachtet, seit 1998 ist es im Familienbesitz“, erzählt Joscha Weggenmann. „Ich selbst habe im ‚Gustav Adolf von Schweden‘ Konditor gelernt, später im ‚Gillmann‘ in Wandsbek gearbeitet und dann meine Eltern im Landhaus Ohlstedt unterstützt.“ 1997 hat er als Chef mit gerade 26 Jahren die alleinige Verantwortung für das Traditionshaus übernommen.
Und diese Verantwortung wird seit dem Frühling auf eine harte Probe gestellt: „Corona macht uns Gastronomen einen ganz dicken Strich durch die Rechnung, denn natürlich halten wir uns an die Abstandsregeln und können zurzeit eben nur die Hälfte der Plätze anbieten“, so Weggenmann. Es war ein Schock für ihn, als er mit seiner Familie am 14. März aus dem Urlaub zurückkam und fünf Tage später mit verordnetem Lockdown sein Restaurant und das Hotel schließen musste. Mit außer-Haus-Verkauf und Rücklagen, die eigentlich für andere Zwecke gedacht waren, ist Weggenmann bisher noch relativ gut durch die Krise gekommen. Um sein Personal zu halten, stockt er das Kurzarbeitergeld auf. „Guter Service ist genauso wichtig wie eine gute Küche,“ sagt er, „das Gesamtangebot muss passen.“ So langsam gehe es wieder bergauf, mit 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beschreibt der Chef die aktuelle wirtschaftliche Situation.
„Aufgrund der hohen Nachfrage und wegen des reduzierten Platzangebots haben wir uns entschlossen, dieses Jahr zum ersten Mal in unser langen Geschichte einen dritten Weihnachtsfeiertag im Landhaus anzubieten“, sagt Joscha Weggenmann. Gäste sind nun am 25., 26. und 27. Dezember willkommen. Und er hat bereits Pläne für die Nach-Corona-Zeit: „Stammgäste sind in den vergangenen Wochen schon häufiger auf mich zugekommen und haben gesagt, dass ihnen die etwas größeren Abstände von Tisch zu Tisch eigentlich ganz gut gefallen“. Nicht, dass es vor Corona eng war im Landhaus Ohlstedt. Aber der Wunsch nach ein bisschen mehr Privatsphäre lässt den Chef überlegen, die Gasträume entsprechend umzugestalten. Für diese Gedanken wird er am Abend mehr Zeit haben, denn jetzt kommt gerade die angemeldete Wandergruppe mit einem kräftigen „Moin“ zur Tür rein. Und einer älteren Dame, die fast täglich zum Mittagstisch kommt, drückt er mit einem „Tschüß bis morgen“ noch schnell den Menu-Flyer für die nächsten Wochen in die Hand.

Das Team vom Landhaus Ohlstedt
Maik Auhage, Bernd Krüger, Aaliyah Pokorny, Klaus Bahne, Joscha Weggenmann, Nico von Drathen (v. lks. n. re.) Foto: M. Damm

Von Matthias Damm

Landhaus Ohlstedt, Alte Dorfstraße 5, 22397 Hamburg, Tel. 6056700, info@landhaus-ohlstedt.de,
www.landhaus-ohlstedt.de. Über die Internetseite sind Tischreservierungen auch online möglich.
Täglich geöffnet von 8 bis 21.30 Uhr (außer Heiligabend, Silvester und Neujahr), durchgehend warme Küche ab 11.30 Uhr, Frühstücksbuffet für jedermann von 8 bis 11 Uhr.

Grünkohl mit Kochwurst
Grünkohl mit Kochwürste und Kassler – lecker!

Grünkohl à la Landhaus Ohlstedt
Grünkohl zupfen, waschen und blanchieren.
Gänseschmalz auslassen und Zwiebeln darin anschwitzen.
Schweinebacke in Wasser kochen und den Sud als Rauchfond zu den Zwiebeln geben. Grünkohl hacken und unterheben.
Den Fond runter kochen lassen, dann mit Senf abschmecken.
Kochwürste und Kassler separat im Ofen erwärmen.
Dauer ca. 2 Stunden.

In welchen Topf sollen wir gucken?
Liebe Leserinnen und Leser, für unsere Serie „Einfach genießen…“ sind wir auf der Suche nach Ihren Geheimtipps in den Walddörfern und im Alstertal.
Wo sind die kleinen Restaurants um die Ecke, die für eine einladende Gastfreundschaft und leckere Küche stehen?
Wir freuen uns auf Ihre Hinweise. Schreiben Sie uns:
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Last modified: 14. Oktober 2020

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