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Achterbahn der Gefühle

8. Oktober 2020

Jugendliche in Trauer finden in Volksdorf Unterstützung

VOLKSDORF Für Teenager, die mit dem Tod eines ihnen nahestehenden Menschen zu kämpfen haben, gibt es seit einem knappen Jahr ein Hilfsangebot: Im Malteser-Jugendzentrum Manna können Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren auf kreative Weise und mit Gesprächen auf Augenhöhe ihre Trauer bewältigen. Das Café Achterbahn öffnet Ende des Monats Betroffenen wieder seine Türen.

Die Pubertät an sich bringt schon eine emotionale Berg- und Talfahrt mit sich: Die jungen Menschen versuchen ihre Identität zu finden und zu formen und werden dabei oft von Gefühlen überrollt. Kommt dann noch der Verlust eines geliebten Menschen hinzu, sind Jugendliche häufig überfordert. Sie finden keine Gesprächspartner, da die Kommunikation mit den Eltern unter Umständen schwierig ist und Freunde mit dem Thema und den damit verbundenen Gefühlen möglicherweise überfordert sind. Das sind Emotionen wie „Verzweiflung, Wut, Unverständnis, Schuld oder auch Scham“, erklärt Ramona Bruhn-Tobler, die in Volksdorf den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst leitet. „Es kann passieren, dass die jungen Menschen jeglichen Halt verlieren. Psychische Erkrankungen wie Anpassungs- oder Belastungsstörungen können bei fehlenden Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten entstehen“, so Bruhn-Tobler weiter.
Sensibilisiert für das Thema Trauer wurde die 40-Jährige durch eigene Erfahrungen: „Ich habe in meiner Kindheit und Jugend selber Abschiede erlebt.“ Das hat sie und ihren Werdegang geprägt: Sie lernte Kinderkrankenschwester, studierte Reha-Pädagogik, ließ sich zur ehrenamtlichen Hospizhelferin und zur Kinder- und Jugendtrauerbegleiterin ausbilden.

Ramona Bruhn-Tobler vom Maltheser Hilfsdienst
Ramona Bruhn-Tobler, Leiterin des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes, bietet trauernden Teenagern Hilfe an Foto: Malteser Hilfsdienst e.V.

In geschützter Atmosphäre sprechen

Das Café Achterbahn im Manna hat seine Türen zum ersten Mal am 17. November vergangenen Jahres geöffnet. „Wir konnten drei Probeveranstaltungen machen, dann kam der Lockdown“, erzählt Bruhn-Tobler. Nun steht das Comeback an: Am Sonntag, 25. Oktober, ist das Manna von 15.30 bis 18 Uhr offen für Jugendliche, die in ihrer Trauer Hilfe suchen. Der Grund dafür, dass die Veranstaltung im Jugendzentrum und nicht im Hospizzentrum an der Halenreie stattfindet, ist einfach: Die Atmosphäre ist für Teenager angenehmer. Beim Betreten erblicken sie sofort einen Billardtisch, dann die Sofaecke, den Tresen, auf dem Kuchen und Heißgetränke stehen und den Tisch, der mit Malsachen gefüllt ist. Die Jugendlichen sollen erstmal ankommen und, wenn sie möchten, etwas essen und trinken. So können Ramona Bruhn-Tobler und ihre ehrenamtliche Mitarbeiterin ganz zwanglos eine Unterhaltung beginnen.
Auf die Einleitung, für die eine halbe Stunde vorgesehen ist, folgt nicht der klassische Gesprächskreis. Vielmehr wird zur kreativen Auseinandersetzung mit der Trauer ermuntert. Das Angebot ist vielfältig – zeichnen, malen, mit Holz arbeiten oder Collagen herstellen. Wer kein künstlerisches Talent hat, muss keine Angst haben, es geht darum, Gefühle auszudrücken. „Jeder findet seinen eigenen Stil. Das Wichtige ist, dass die Jugendlichen über das Tun ins Reden kommen“, erklärt Ramona Bruhn-Tobler. Dann stellen sie nämlich fest, dass es anderen geht wie ihnen. „Jeder Betroffene bringt einen anderen Aspekt ein. Durch diesen Austausch entsteht ein Licht am Ende des Tunnels, die Zuversicht, einen Weg zu finden für den Umgang mit der Trauer.“
Eigentlich war das Café Achterbahn als offenes, niedrigschwelliges Angebot gedacht. „Wir wissen, dass eine spontane Teilnahme für die Jugendlichen angenehmer wäre, aber in Pandemie-Zeiten müssen wir planen“, bedauert Bruhn-Tobler die telefonische Anmeldung.

Die nächsten zwei Termine auf Probe

Die beiden kommenden Termine werden probeweise durchgeführt. „Wenn es gar keinen Rücklauf geben sollte, fällt das Treffen Ende Dezember aus, und dann werden wir im kommenden Jahr neu überlegen, ob und wie wir weitermachen“, sagt Ramona Bruhn-Tobler. Der Bedarf ist da, und das Café Achterbahn ist das einzige Angebot im Nordosten Hamburgs. Andere Einrichtungen, wie das Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer e.V. und Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V., befinden sich recht weit weg in Eimsbüttel. Grund genug, das Café Achterbahn bekannt zu machen, damit Betroffene davon hören und Mut fassen, sich helfen zu lassen.

Von Anja Krenz

Treffpunkt für Jugendliche
Interessierte Jugendliche finden das Café Achterbahn im Jugendzentrum Manna, Ahrensburger Straße 14 in Volksdorf;
Nächste Termine: Sonntag, 25. Oktober und 29. November, 15.30 bis 18 Uhr.
Wer teilnehmen möchte, möge sich unter Telefon unter Tel. 040 – 603 30 01 anmelden.

Last modified: 8. Oktober 2020

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