Home » Saurer, nährstoffarmer Lebensraum bevorzugt

Torfmoos-Fingerwurz ist die Orchidee des Jahres 2018

Saurer, nährstoffarmer Lebensraum bevorzugt

Wer an Orchideen denkt, hat meist opulente tropische Pflanzen vor Augen. Doch auch unsere etwa 70 heimischen Arten sind wahre Schönheiten. Fast alle wachsen auf mageren Böden und reagieren auf Eingriffe durch den Menschen wie Nutzungsintensivierung oder Düngung sehr empfindlich. Andererseits kommen sie häufig auf Flächen vor, die vom Menschen erst geschaffen wurden wie Lichtungen im Wald oder Schaf- und Pferdeweiden.

Nicht so der Torfmoos-Fingerwurz (Dactylorhiza sphagnicola), der von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (AHO) zur Orchidee 2018 gewählt wurde. Er ist nur in intakten, sauren und nährstoffarmen Mooren zu finden, also in unberührter Landschaft.
Moore sind in Deutschland so selten anzutreffen, dass sie unter besonderem Schutz stehen. Auch in Hamburg. Die Hansestadt ist zwar fast eine zwei-Millionen-Metropole, trotzdem gibt es viele Flächen, die auch geschützten Tieren und Pflanzen gute Lebensbedingungen bieten. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein großer Teil der Orchideen in Hamburg als gefährdet bis vom Aussterben bedroht gelten.
In Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gehört der Torfmoos-Fingerwurz zu den seltensten Orchideen. Schon ein Tritt in den empfindlichen Moorkörper kann das ökologische Gleichgewicht nachhaltig stören und Bestände vernichten. Es gibt keine größeren zusammenhängenden Fundareale, sondern nur isolierte Vorkommen. In Hamburgs Norden ist die seltene Schönheit offenbar nur noch mit 13 Exemplaren vertreten.
Die Blütezeit beginnt Ende Mai und reicht bis Ende Juni. Die Pflanzen werden zwischen 20 und 50 Zentimeter hoch, haben einen eiförmig-zylindrischen Blütenstand mit rosaroten, bis sehr selten weißen Blüten. Charakteristisch ist die Blütenlippe mit zahlreichen Punkten oder Punktlinien. Die Laubblätter stehen steil aufgerichtet, sind hellgrün und ungefleckt. Der Name Fingerwurz weist auf die typischen flachen und handförmig geteilten Wurzelknollen hin. Im Gegensatz dazu hat die Gattung der Knabenkräuter eirunde Knollen ohne fingerförmige Einschnitte.
Alle einheimischen Orchideen stehen in Deutschland unter strengem Schutz. Trotzdem werden sie häufig gepflückt oder ausgegraben. Im Garten sterben diese Orchideen jedoch meistens ab, da ihnen dort die lebenswichtige Symbiose mit speziellen Pilzen fehlt, die nur am ursprünglichen Standort vorkommt. Andere Gründe für die Seltenheit von Orchideen oder deren Rückgang sind Entwässerung, Überdüngung und Verbuschung der Wuchsorte. Daher ist die Moorpflege, die die Naturschutzverbände regelmäßig durchführen von großer Wichtigkeit. Durch die isolierten Vorkommen, sowohl der Art als auch der geeigneten Moorbiotope, ist eine Ausbreitung schwer möglich, sodass die verbliebenen Bestände höchste Schutzwürdigkeit besitzen und ihr Erhalt eine wichtige Aufgabe für den Artenschutz in Deutschland darstellt. (du)


fdjs