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Vom Fehmarner Dauerregen zur Volksdorfer Taufe

Konfirmandencamp wurde wetterbedingt vor die Kirche am Rockenhof verlegt. Taufe nun doch in der Kirche statt im Meer

Von Lisa Dierking

Volksdorf – Nachdem das ­Konfirmanden-Zeltlager auf Fehmarn durch den dauerhaft anhaltenden Regen leider ein dramatisches Ende fand und 190 Teilnehmer aus den evangelischen Kirchengemeinden Volksdorf und Bergstedt gezwungen waren, statt am 4. August bereits am 30. Juli die Heimreise anzutreten, war die Kreativität aller Be­teiligten gefragt.

Nach Tränen der Enttäuschung über die verfrühte Abreise ­kristallisierte sich sehr schnell heraus: Das Konficamp soll fortgesetzt werden. Das unermüdliche Engagement vieler haupt- und ehrenamtlicher Helfer machte es möglich, das Camp in einer Blitzaktion nach Volksdorf, genauer gesagt auf das Gelände der Rockenhof­kirche, zu verlagern. Durch das Improvisationstalent der Organisatoren und Helfer war es möglich, das Programm für die Konfirmanden, inklusive Andachten und Bastelworkshops, am neuen Ort wie ursprünglich vorgesehen weiterzuführen.

Das Meer in die Kirche holen

Auch die geplante Taufe im Meer war auf Fehmarn leider, im wahrsten Sinne des Wortes, ins Wasser gefallen. Der neue Plan, die Taufe am Rockenhof unter freiem Himmel durch­zuführen, wurde erneut vom schlechten Wetter vereitelt – von Enttäuschung war allerdings keine Spur. Wie schon beim plötzlichen Abbruch des Konficamps rückten Konfirmanden und Trainees nur noch enger zusammen, und so ­zeigten sich nun erneut das ­Gemeinschaftsgefühl und die Kreativität aller Beteiligten.
Wenn sie die Taufe schon nicht am Strand durchführen konnten, holten sie den Strand eben kurzerhand in die Kirche. So fanden sich Konfirmandinnen und Konfirmanden, Trainees und Angehörige am Morgen des 3. August in der Kirche am Rockenhof ein, um die 21 Täuflinge an diesem besonderen Tag zu begleiten, der für sie nicht nur die Bekräftigung ihres christlichen Glauben bedeu­tete, sondern auch die endgültige Aufnahme in die Kirchengemeinde.
Lichterketten schmückten den Raum, sogar aufblasbare Schwimmtiere waren zu Gast in der Kirche und stellten die Verbindung zur ursprünglich geplanten Taufe am Meer her. Sogar die Orgel blieb an diesem Tag stumm, stattdessen wurden die Besucher des Taufgottesdienstes von den Klängen von Geige, Keyboard und Gitarre begrüßt und später auch weiter musikalisch durch den Gottesdienst geführt Bereits als die Konfirmanden die Kirche betraten, fungierte die Band als musikalischer Platzanweiser und geleitete die Täuflinge spielerisch und mit Gesang zu ihren Plätzen.

Starkes Gemeinschaftsgefühl

Gleich zu Beginn des Gottesdienstes richtete Pastorin ­Gabriele Frietzsche noch einmal das Wort an alle Beteiligten und bedankte sich bei den haupt- und ehrenamtlichen Helfern, aber vor allem auch bei den Eltern, die sich und ihre Autos spontan zur Ver­fügung gestellt hatten, um alle Konfirmandinnen und Konfirmanden sicher wieder nach Hause zu bringen. Dieses Gemeinschaftsgefühl war im Gottesdienst deutlich spürbar, die Lieder waren bereits aus der Zeit im Camp bekannt, und es wurde kräftig mitgesungen und geklatscht.
Wasser war ein zentrales Thema, sowohl seine zerstörerische Kraft, die die Konfirmandinnen und Konfirmanden auf Fehmarn am eigenen Leib gespürt hatten, als auch seine Unverzichtbarkeit und seine unbändige Kraft, Leben zu schaffen. Nicht zuletzt besteht der Mensch zu großen Teilen aus Wasser und braucht es zum Überleben. ­Pastorin Frietzsche erzählte zu diesem Anlass einen Witz: Ein Junge fragt ein Mädchen: „Magst du Wasser?“ Sie antwortet mit „Ja“, woraufhin der Junge erwidert: „Dann magst du mich ja schon zu 70 Prozent.“ Natürlich ist auch im Ritual der Taufe Wasser das zentrale ­Element, denn wie aus einer Quelle können die Täuflinge auf ihrem weiteren Lebensweg auch aus der Kraft und Liebe Gottes schöpfen.
Jeder der 21 Täuflinge hatte im Voraus einen ganz eigenen Taufspruch ausgewählt, ein biblisches Zitat, das für ihn eine besondere Bedeutung hat und die jungen Menschen auch weiterhin im Leben begleiten soll. Jeweils ein Mitkonfirmand trug diesen individuell ausgewählten Spruch vor, bevor der Täufling seine Segnung empfing. Doch nicht nur diesen Taufspruch nehmen die Konfirmandinnen und Konfirmanden von diesem Tag mit. Jeder Täufling hatte während der Zeit im Camp außerdem einen Taufschal gestaltet, der auch in Zukunft nicht nur an den Tag der Taufe, sondern auch an die gemeinsam verbrachte Zeit im Camp erinnern soll. Anschließend wurden die 21 selbst gestalteten Taufkerzen entzündet – ein Licht, das die Täuflinge mit nach Hause nehmen und für sie ein Licht in der Dunkelheit sein soll.

Positiver Abschluss

Zum Abschluss ließ Pastorin Frietzsche das Camp noch einmal Revue passieren, erinnerte an die Trauer und Tränen der Enttäuschung, aber auch an die schönen Momente. Die Hoffnung, als klar wurde, dass das Camp am Rockenhof weiter­geführt werden kann, und vor allem die Gemeinschaft, die sich in den zusammen verbrachten Tagen zwischen ihnen allen gebildet hat, das Gefühl des Zusammenhalts, das weit über das Camp hinaus in Erinnerung bleiben wird. Anschließend waren alle Beteiligten eingeladen, das Camp bei einem gemeinsamen Essen im Gemeindesaal ausklingen zu lassen.


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