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Ein Volksdorfer auf dem Weg nach New York

Der 11-jährige Ben Alm steht als Kinderhauptdarsteller in „Ich war noch niemals in New York“ auf der großen Musicalbühne. Und das nicht zum ersten Mal

Hamburg/Volksdorf – Am Kai gegenüber den Landungsbrücken legt ein Shuttle-Schiff nach dem anderen an. Hunderte Zuschauer strömen in die beiden Musicaltheater gegenüber der Elbphilhar­monie.

Der Ausblick ist grandios. Im Stage-Theater ist der rote Teppich ausgerollt, alles glitzert und funkelt, das Publikum wartet voller Vorfreude im Foyer. Hinter der Bühne sitzt Ben Alm gemütlich auf e­iner Ikea-Couch und ist kein bisschen aufgeregt. In einer halben Stunde wird der 11-Jährige die Kinderhauptrolle im Musical „Ich war noch niemals in New York“ per­formen. Das Musical rund um die Lieder von Udo Jürgens startete vor elf Jahren in Hamburg und tourte durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mit insgesamt über vier Millionen Besuchern ist es das derzeit erfolgreichste in Deutschland entwickelte Musical. Zum Abschluss kam es noch einmal für sechs Monate zurück in den Heimathafen.

Lampenfieber Fehlanzeige

Singen, tanzen, schauspielern vor über 1000 Zuschauern? Kein Thema für den jungen Volksdorfer. Eben noch ein Interview für das Heimat-Echo, den Pulli wechseln, Kamera umhängen, noch schnell bei der Maskenbildnerin vorbeischauen, und schon kann es losgehen. Auf der Bühne ist Ben ganz er selbst. Sein Bühnenoutfit unterschiedet sich kaum von seiner Alltagskleidung. Und doch ist Bens Hobby nicht ganz alltäglich: Einmal pro Woche steht der 11-Jährige auf der großen Musicalbühne. 30 Mal im Jahr spielt und singt er in dem Theater mit 1.800 Plätzen. Herzklopfen? Zittrige Hände? Nö. Ben ist die Ruhe selbst. „Die Stimmung ist umso besser, je mehr Zuschauer da sind und die ­Lieder von Udo Jürgens mitsingen“, meint Ben, der mit dem Begriff Lampenfieber gar nichts anzufangen weiß. Ob er ein Referat vor der Klasse hält oder für ein großes Publikum singt – das macht für ihn kaum einen Unterschied. Nur wenn während der Aufführung etwas schiefläuft, dann kribbelt es ein wenig im Bauch. Wie einmal, als das Bühnenauto nicht ansprang oder als ein neuer Darsteller seinen Text vergaß.

Vom Grundschulmusical auf die Stage-Bühne

Alles begann mit der Musical-AG an der Grundschule an den Teichwiesen. Bei der Schulaufführung stand Ben zum ersten Mal auf der Bühne. „Anfangs war das komisch, aber schon im zweiten Jahr in der AG wusste ich, singen, tanzen und schauspielern – das ist mein Ding“. Vor allem das Tanzen. Zu Hause tanzt er gerne und viel. So viel, dass seine Mutter eine Bewerbung an den Hamburger Musical-Produzenten schickte. Beim Casting qualifizierte sich Ben im ersten Anlauf und probte fortan in der Stage-Wunderschule. Nach einem Dreivierteljahr war es dann so weit: Ben durfte auf die große Bühne und spielte von Anfang an die Kinderhauptrolle im Musical „Das Wunder von Bern“.

Ganz er selbst geblieben

Von den 130 Kindern, mit denen Ben für das „Wunder von Bern“ trainierte, sind nur wenige an der Wunderschule. Im Folge-Musical gibt es nur noch eine Kinderrolle. Ben hat es geschafft. Er ist einer der 13 Jungs, die bleiben durften und im aktuellen Musical auf der Bühne stehen. „Ben hat nicht nur Talent. Er hat auch viel trainiert und ist immer am Ball geblieben“, sagt Melanie Vollmert-Michaelis, die an der Wunderschule die Kinderdarsteller ausbildet und betreut. Darauf könnte sich Ben etwas einbilden. Doch ist er der nette Junge von nebenan geblieben. „Natürlich bin ich für meine Familie ein Star. Aber hier bin ich nur ein Schauspieler unter vielen“, sagt Ben Alm. Und genau so bescheiden und selbstbewusst meint er das auch. Bis September ist er noch gebucht. Dann kommt ein neues Musical, in dem es keine Kinderdarsteller gibt. Das ist schade, aber Ben wird auf alle Fälle weitermachen. Das Training macht ihm so viel Spaß, dass er auf gar keinen Fall darauf verzichten möchte. „Es gibt noch so viel zu lernen, ich mache auf alle Fälle weiter.“ Sein Berufswunsch? Ganz klar: Musicaldarsteller – und wenn alle Stricke reißen, dann eben Pilot.
Jetzt aber schnell auf die Bühne. Die Vorstellung beginnt. Heute läuft alles perfekt. Kein Kribbeln in der Magengegend. Man sieht Ben die Freude an, er ist ganz und gar in seinem Element. Ganz der Profi – oder wie Ben es sagt: „Na ja. Es gibt Hobbys, die sind vielleicht ein kleines bisschen spannender als andere …“ (spa)


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