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Massenproduktion widerspricht Tier- und Klimaschutz

Verbraucher wollen Kennzeichnungspflicht bei Fleisch

Ein Stempel auf dem Ei zeigt Verbrauchern seit 2005, wie die Hühner gehalten werden, von denen die Eier kommen. Bei Fleischprodukten würde eine überwiegende Mehrheit der Bundesbürger eine ähnliche Kennzeichnung begrüßen. Das hat jetzt eine Umfrage von Greenpeace ergeben, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt hat.

Demnach sprechen sich 89 Prozent von 1.003 Menschen, die von Forsa befragt wurden für eine solche Kennzeichnung aus. 79 Prozent befürworten sogar eine verpflichtende Beschilderung. 59 Prozent sind der Ansicht, dass eine Kennzeichnung Verbraucher dazu brächte, vor allem Fleisch aus besserer Tierhaltung zu kaufen. Doch auf eine derart umfassende Information können Verbraucher offenbar noch lange warten, denn Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) favorisiert ein rein freiwilliges Tierwohl-Siegel, das 2018 eingeführt werden soll.
„Ein freiwilliges Tierwohl-Siegel ist nichts anderes als ein PR-Gag von Agrarminister Schmidt, denn es würde nur einigen wenigen Nutztieren ein besseres Leben ermöglichen. Die große Masse müsste auch in Zukunft vermeidbare Qualen erleiden“ sagt Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch: „Anstatt weitere Zeit mit Kosmetik zu vergeuden, sollte die Bundesregierung das Tierschutzgesetz endlich durchsetzen, den Missbrauch von Ausnahmen beenden und bestehende Lücken schließen. Eine Tierhaltungswende, die das Leben aller Nutztiere verbessern würde, ließe sich auf der Stelle vollziehen. Es mangelt allein am politischen Willen.“ Auch Stephanie Töwe, Agrarexpertin von Greenpeace fordert:„Die Menschen wollen wissen, was auf ihrem Teller landet. Minister Schmidt muss dem Wunsch nach mehr Transparenz nachkommen und die Fleischindustrie so schnell wie möglich zur Kennzeichnung verpflichten. Die Fleischproduzenten dürfen Verbraucher nicht länger mit Hofidylle und irreführendem Marketing täuschen.“ Das findet auch der BUND und erinnert daran, dass bisherige Versuche zur freiwilligen Kennzeichnung der Tierhaltungsform wie die sogenannte „Tierwohl-Initiative“ nicht zu den gewünschten Erfolgen geführt hätten.

Erfolg: Eier-Kennzeichnung

„Dagegen ist die Kennzeichnung von Eiern ein Erfolg. Seit Start der Kennzeichnungspflicht werden fast nur noch Eier aus artgerechterer Haltung gekauft. Eier von Hühnern aus Käfighaltung wurden fast vollständig vom Markt verdrängt. Das beweist, dass sich bei einer klaren Kennzeichnung viele Menschen bewusst für mehr Tierschutz entscheiden“, sagt der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Dass 400 Gramm Hähnchengeschnetzeltes für 2.19 Euro zu bekommen sind, zeigt, dass hier etwas nicht stimmen kann. Das belegen auch die vielen Bilder aus deutschen Ställen, wo die Tiere auf engstem Raum leben müssen. „Politik und Handel verschleiern die schädlichen Folgen der Massentierhaltung. Vor allem Schweinen geht es häufig miserabel. Gen-Futter und der Einsatz von Antibiotika sind die Regel“, sagt Stephanie Töwe.
Greenpeace hat jetzt mit einem Siegel-Ratgeber das Schweinefleisch unter die Lupe genommen. Fazit: Die wenigsten Siegel verraten dem Verbraucher, wie die Tiere für das Schnitzel oder den Braten gehalten wurden. Ein Bauer erhält gerade einmal ein Euro fünfzig bis ein Euro sechzig für jedes Kilo geschlachtetes Schwein. Die Supermärkte – vor allem die Discounter – drücken die Preise für Fleisch. Was der Handel den Landwirten zahlt, reicht vorne und hinten nicht aus, um die Tiere besser zu halten. „Fleisch ist deshalb so billig, weil die Tiere nicht artgerecht gehalten und ernährt werden. Fleischkonzerne und Handelsketten profitieren davon, dass sowohl die Umwelt- als auch die Gesundheitskosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden“, kritisiert auch der BUND-Vorsitzende. Inzwischen seien über 80 Prozent der Deutschen bereit, auch höhere Preise für Fleisch und Wurst zu zahlen, wenn sie dadurch zu besseren Haltungsbedingungen der Tiere beitragen könnten.
Zusätzlich belastet die Massentierhaltung durch den Ausstoß von Treibhausgasen massiv das Klima. Ein Übermaß an Gülle führt zu umweltschädlichen Nitrat- und Phosphatwerten in Oberflächen- und Grundwasser. Die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordert eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung. „Die heutige Landwirtschaft ist auf billige Massenproduktion ausgelegt und hat mit Umwelt- und Klimaschutz nichts zu tun. Der Agrarsektor muss endlich auch seinen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland seine Klimaziele erreichen kann“, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter.
Mehr Infos: www.greenpeace.de und www.bund.net sowie www.foodwatch.org. (du)


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