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Politik und Verwaltung müssen ihre Aufgaben wahrnehmen

Knicks in Wandsbek sollten mehr gepflegt werden

Knicks prägen das Landschaftsbild in weiten Teilen von Schleswig-Holstein und in Hamburgs Randgebieten. Diese Wallhecken wurden im 18. Jahrhundert angelegt, um das Vieh daran zu hindern auf andere Wiesen und Felder zu wechseln und um der Bodenerosion vorzubeugen. Das Holz, das beim Knicken anfiel, nutzte man vielfältig. Heute haben intakte Knicks wertvolle ökologische Funktionen.

Dass das so bleibt, dafür setzt sich der Volksdorfer Wulf Deneke ein. Vor gut einem Jahr hatte er die Verwaltung mit einer Eingabe an den Regionalausschuss Walddörfer gebeten, sich der Knickpflege wieder mehr anzunehmen. Die Eingabe wurde an die Umweltbehörde (BUE) weitergereicht, die jedoch aufgrund anderer Prioritäten zurzeit nur stichpunktartige Kontrollen durchführt und sich daher auf Hinweise über unzureichende Knickpflege oder Verstöße gegen Paragraph 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) beschränken muss. „Insgesamt sind in der BUE nur 1,3 Mitarbeiter für die Pflege von 6.000 Biotopen in Hamburg verantwortlich“, weiß Deneke. Um das Thema weiter zu befördern, hatte der Volksdorfer kürzlich Fachleute aus verschiedenen Bereichen und interessierte Bürger zusammengebracht, um über das Thema Knickschutz zu beraten. Auch eine Knickpflegeaktion am Tonradsmoor in Volksdorf im Februar sollte zur Sensibilisierung beitragen. Zusammen mit den Seminar-Teilnehmern will Deneke jetzt eine Knickschutz-Broschüre erarbeiten. Die Broschüre wird von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung NUE (Bingo-Lotterie) gefördert.

Gesetzlich geschützte Biotope

Die ursprüngliche Funktion der Knicks ist heute vielfach in den Hintergrund getreten. Als Mitte des 20. Jahrhunderts die Mechanisierung der Landwirtschaft einsetzte und Felder zusammengelegt wurden, verschwanden viele Knicks. Erst als Umweltschützer in der 1970er und 80er Jahren die Bedeutung der Knicks für die Fauna und Flora erkannten, wurden sie geschützt. Durch ihre Vielfalt sind intakte Wallhecken Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen. Eiche, Erle und Ahorn sind in Hamburg die vorherrschenden Baum-arten. Die Strauchschicht besteht meist aus Holunder, Hasel, Eberesche, Schlehe und Weißdorn sowie verschiedenen Brombeerarten. In einem gut gewachsenen und gepflegten Knick leben bis zu 1.800 Tierarten (Vögel, Kleinsäuger, Insekten, Lurche). Knicks bieten im Wandel der Jahreszeiten vielfältige Naturbeobachtungsmöglichkeiten direkt vor der Haustür. Ein bunter Knick mit blühenden Sträuchern wie Wildrose, Pfaffenhütchen, Schlehe, Schneeball, Weißdorn oder rotem Hartriegel ist in jeder Jahreszeit eine Augenweide. Im Herbst und Winter profitieren viele Vögel von dem reichhaltigen Beerenangebot.
Knicks, die innerhalb oder am Rand landwirtschaftlicher Flächen liegen, sind gesetzlich geschützte Biotope. Bäume auf Knicks, sogenannte Überhälter sind nach der Hamburgischen Baumschutzverordnung geschützt. Um die Funktion des Knicks zu erhalten, müssen die Sträucher alle zehn bis 15 Jahre etwa 30 Zentimeter über dem Boden abgeschnitten (auf den Stock gesetzt, geknickt) werden. Die Gehölze trieben mit vielen Schösslingen wieder aus. Wird dagegen auf das Knicken verzichtet, wachsen die Gehölze aus, bilden Kronen und ver-kahlen in ihren unteren Abschnitten. Viele Jahrzehnte überalterte Knickgehölze sollte man daher nicht mehr auf den Stock setzen, da die ausgewachsenen Sträucher nicht mehr ausschlagen können. Stattdessen sollte man heimische Gehölze nachpflanzen.
Im Siedlungsbereich verlieren die Knicks einen Teil ihres ursprünglichen ökologischen Wertes. Doch auch hier können sie ökologische Nischen zwischen oft aufgeräumten Gärten sein, die für die Tierwelt wenig interessant sind. Vögel und Insekten wie Schmetterlinge, Hummeln und Bienen, aber auch Kleinsäuger, wie Igel oder die bedrohten Fledermäuse, finden im Knick Nahrung oder Unterschlupf. Die Knicks tragen damit zum Artenschutz, zur Vernetzung von Biotopen, aber auch zum Klimaschutz bei. Heute hingegen stört sich so mancher Häuslebauer und Gartenbesitzer an dem Wall, der seinen Garten verkleinert, rigoros wird die Erdschicht abgetragen und Büsche gekappt, um mehr Fläche zu erhalten. Auch Gartenabfälle gehören nicht auf den Knick, da sie den Bodenbewuchs auf dem Wall nachhaltig schädigen.
Um Knicks wieder mehr und besser zu pflegen, könnten nach dem Beispiel der Bachpatenschaften Knickpatenschaften ins Leben gerufen werden, rät Irmgard Dudas vom BUND. Bereits 1986 wurde die Aktion Bachpatenschaft begründet, bei der sich Privatpersonen und Vereine um bestimmte Bachabschnitte kümmern. Dazu werden an bestimmten Terminen Arbeitseinsätze an unterschiedlichen Bächen koordiniert. Vor allem der NABU und der BUND betreuen solche Bachabschnitte aber auch Kindergärten und Schulklassen. (du)


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