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Baumfällsaison 2016/2017

Wandsbek verliert 509 Bäume

Auch in diesem Winterhalbjahr wurden in Hamburg mehr Straßen- und Parkbäume auf öffentlichen Flächen gefällt, als nachgepflanzt wurden. Der Bestand der Stadtbäume nimmt dadurch von Jahr zu Jahr stetig ab. In der alljährlichen Fällsaison von Oktober bis Februar fielen in diesem Winter über 2.500 Bäume der Axt zum Opfer. Für nur knapp 30 Prozent der gefällten Bäume sind bisher Nachpflanzungen geplant. Wandsbek gibt an 81 Straßenbäume nachzupflanzen.

„Die aktuellen Baumfällstatistiken bereiten uns große Sorge“, mahnt NABU-Vorstand Alexander Porschke. „Neben dem Verlust an Grünflächen durch den enormen Bauboom in Hamburg kommt jedes Jahr noch der Verlust von Tausenden von Bäumen hinzu. Bäume in den Straßen und Parkanlagen sind die grüne Lunge in der Stadt. Wir fordern ein dringendes Umdenken bei der Stadtentwicklung, die gerade darauf zusteuert, unsere Stadtnatur aus dem Auge zu verlieren.“ Schaut man sich die Gründe der Fällungen der Straßenbäume genauer an, spiegeln sich auch hier die Auswirkungen der Bauwut wider, weiß der NABU. Bäume, die durch Baumaßnahmen gefällt werden, nehmen einen hohen Anteil ein. Aufgrund von Neubau, Infrastrukturbaumaßnahmen, oder Anfahrschäden liegt die Fällrate bei 22 Prozent (entspricht 231 Straßenbäumen). Erst an dritter Stelle kommen mit 14 % Fällungen, die durch Schrägstand oder Wuchs z.B. die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Der meist genannte Grund in den Statistiken ist ein kranker oder absterbender Bestand (58 %). Gering fallen hingegen die Fällungen aus Gründen der Bestandspflege mit nur rund 5 % aus. „Selbst wenn Bäume nicht an gleicher Stelle nachgepflanzt werden können, fordern wir für jeden gefällten Baum zumindest einen Ersatz an anderen Orten. Der Baumbestand an Straßen und in Grünanlagen darf nicht noch weiter zurückgehen“, fordert Porschke. Und ein nachgepflanzter junger Baum kann einen alten Baum mit großer Blätterkrone in seinen ökologischen Funktionen nicht vollwertig ersetzen.
Die Bäume auf Privatgrundstücken können ebenfalls deutlich besser vor dem Zugriff der Grundstücksbesitzer und damit oft vor der Kettensäge geschützt werden, fordert der BUND. Zwar gibt es in Hamburg eine Baumschutzverordnung, die für jede Fällung von Bäumen mit einem Durchmesser von über 25 Zentimetern eine Genehmigung erfordert, doch diese wird oft allzu leichtfertig erteilt, kritisiert der BUND.
Auch viele Bauvorhaben gehen einher mit Baumfällungen für die eine Fällgenehmigung erforderlich ist, denn die Baumschutzverordnung gilt auch bei Bauvorhaben. Bis 2006 (CDU-Senat) wurde im Baugenehmigungsverfahren auch die Baumschutzverordnung geprüft. Mit Einführung des so genannten vereinfachten Genehmigungs­verfahren in der Hamburgischen Bauordnung, wird der Baumschutz seitdem nicht mehr geprüft. Ein Baumbestandsplan ist nicht mehr nötig. Die Bauprüfer müssen sich auf die Angaben des Bauherren verlassen. Auch den Bau- und Bauprüfausschüssen der Bezirksversammlungen fehlt dieses Wissen. Ohne dieses Daten ist eine sachgerechte Entscheidung jedoch nicht gewährleistet. Gleichzeitig wurden Fällgenehmigungen nur noch zu 77 Prozent eingeholt.
Verschiedene Bezirke wollten diese Genehmigungspraxis wieder zu Gunsten des Baumschutzes ändern, doch der Senat blockte dies seit Jahren ab. Inzwischen hat sich die Regierungsmehrheit im Rathaus geändert. Die Hamburgische Bauordnung soll novelliert werden. Dabei soll auch der Baumschutz wieder verankert werden. (DU)


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